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Unternehmen müssen sich auf weitere politische Unruhen und Gewalt vorbereiten

Pressemitteilung | 24. März 2021 | München

Demonstrationen gegen die Corona-Schutzbestimmungen in Deutschland und Europa, „Black Lives Matter“-Proteste in den USA oder Brandanschläge auf Mobilfunktürme in Großbritannien: Betriebsstörungen, Beschädigungen und Umsatzeinbußen durch Krawalle, Proteste, Vandalismus oder andere Formen von zivilen Unruhen gehören heute zu den wichtigsten politischen Risiken für Unternehmen. Die anhaltenden Auswirkungen der Covid-19-Pandemie werden solche Aktivitäten wahrscheinlich weiter vorantreiben, so ein Fachbeitrag in der aktuellen Ausgabe des Global Risk Dialogue von Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS). Die Business-Continuity-Planung von Unternehmen muss sich proaktiv mit den Risiken politischer Gewalt auseinandersetzen, insbesondere in stark exponierten Branchen wie dem Einzelhandel.

„Glücklicherweise sind terroristische Großereignisse in den letzten fünf Jahren drastisch zurückgegangen. Die Anzahl, das Ausmaß und die Dauer von zivilen Unruhen und Protesten in den letzten zwei Jahren sind jedoch erschütternd, und wir haben gesehen, dass Unternehmen erhebliche Verluste dadurch erlitten haben“, sagt Björn Reusswig, Leiter der Abteilung Global Political Violence and Hostile Environment Solutions bei AGCS. „Zivile Unruhen haben stark zugenommen, angetrieben durch Proteste zu Themen, die von wirtschaftlicher Not bis hin zu Polizeibrutalität reichen und die Bürger auf der ganzen Welt betroffen haben. Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie verschlimmern die Situation – da kein Ende des wirtschaftlichen Abschwungs in Sicht ist, wird die Zahl der Proteste wahrscheinlich weiter steigen.”

Zivile Unruhen als zentrales Geschäftsrisiko

Unruhen, die Sachschäden, Betriebsunterbrechungen oder Umsatzeinbußen verursachen können, werden im aktuellen Umfeld zu einem immer bedeutenderen Risiko für Unternehmen, wie die Ergebnisse des Allianz Risk Barometers 2021 zeigen. In der jährlichen globalen Risikoumfrage kehrten „politische Risiken und Gewalt“ zum ersten Mal seit 2018 in die Top 10 der Risiken zurück. Dieser Risikotrend wird durch aktuelle Forschungsergebnisse unterstützt, die eine Zunahme der weltweiten Protestbewegungen in den nächsten zwei Jahren vorhersagen: Verisk Maplecroft, ein auf globale Risikoanalysen spezialisiertes Forschungsunternehmen, geht davon aus, dass 75 Länder bis Ende 2022 einen Anstieg der Proteste erleben werden. In mehr als 30 dieser Länder – vor allem in Europa und Amerika – wird es wahrscheinlich zu erheblichen Aktivitäten kommen. Politische Gewalt verursachte aber auch schon im Jahr 2020 erhebliche Versicherungsschäden. Zwar verliefen die Proteste, die im Frühjahr in 140 US-Städten nach dem Tod von George Floyd stattfanden, größtenteils friedlich. Brandstiftungen, Vandalismus und Plünderungen, die im Zusammenhang mit den Protesten standen, kosteten die Versicherungsbranche laut Axios jedoch mindestens 1 bis 2 Mrd. US-Dollar an Schäden.

 Unternehmen müssen nicht direkt Opfer von zivilen Unruhen sein, um finanzielle Verluste zu erleiden. Die Umsätze können leiden, wenn die Umgebung für längere Zeit abgesperrt wird oder während die (Verkehrs-)Infrastruktur repariert wird, um Kunden, Verkaufspersonal und Lieferanten den Wiedereintritt zu ermöglichen. So wurden beispielsweise während der „Gelbwesten“-Demonstrationen in Frankreich die Geschäfte entlang der Champs-Élysées in Paris geplündert und stark beschädigt, was die Kunden vertrieb. Nach nur wenigen Wochen der Demonstrationen meldete der französische Einzelhandelsverband, dass den Einzelhändlern landesweit 1,1 Milliarden Dollar an Umsatz entgangen sind.

Covid-19-Pandemie wird wahrscheinlich weitere Gewalt anheizen

Die Covid-19-Pandemie ist eine der Hauptursachen für den Anstieg der zivilen Unruhen, da sie sowohl die zugrunde liegenden, seit langem bestehenden Missstände vergrößert als auch in den Mittelpunkt gerückt hat. Die Pandemie hat sich negativ auf die politische Stabilität ausgewirkt, die Polarisierung verstärkt und Fragen der Gleichberechtigung, der Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und der Bürgerrechte in den Vordergrund gerückt.

„Leider wird sich das Risiko von Unruhen und Gewalt aufgrund von Covid-19 wahrscheinlich verschärfen“, vermutet Björn Reusswig. „Die Maßnahmen, die die Regierungen zur Bekämpfung des Coronavirus ergriffen haben, hatten erhebliche sozioökonomische Auswirkungen, und die Frustration wächst in großen Teilen der Bevölkerung. Besonders deutlich sind die Verwerfungen in den USA, wo das soziale Sicherheitsnetz nicht so umfassend ist wie anderswo. Die Menschen sind besorgt. Arbeitsplatz, Gesundheit und Einkommenssicherheit sind gefährdet. In der Folge sind die Menschen eher bereit zu demonstrieren, daher ist es nicht verwunderlich, dass Demonstrationen gegen den Lockdown schnell gewalttätig werden können.“ 

Die Tatsache, dass die Pandemie in Teilen der Bevölkerung Verschwörungstheorien gedeihen ließ, bereitet laut Reusswig auch den Boden für künftige Turbulenzen – und in manchen Fällen sogar physische Schäden. Eine Theorie, die die 5G-Technologie grundlos mit dem Coronavirus in Verbindung bringt, führte im vergangenen Jahr zu einer Reihe von Brandanschlägen auf Mobilfunktürme in Großbritannien und anderen europäischen Ländern. 

Wachsender Bedarf an Business-Continuity-Planung

Für Unternehmen ist die Vorbereitung auf politische Gewaltrisiken ist entscheidend – insbesondere für exponierte Branchen wie den Einzelhandel. Während der zweitägigen „Black Lives Matter“-Demonstrationen Ende Mai in Chicago wurden fast alle Schaufenster auf der Michigan Avenue, zu der auch das Einkaufsviertel „Magnificent Mile“ gehört, beschädigt. Aber auch in Deutschland führten die Ausschreitungen während des G20-Gipfels in Hamburg im Juli 2017 laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zu Schäden von rund zwölf Millionen Euro. Etwa ein Drittel der Summe – rund vier Millionen Euro – entfiel auf beschädigte Autos, der Rest auf Schäden an Wohngebäuden und Geschäften.  

Unternehmen müssen angesichts dieser Entwicklungen ihre Business-Continuity-Planung (BCP) überprüfen. Normalerweise konzentrieren sich diese nur auf nationale Katastrophen, aber es gibt einen wachsenden Bedarf an Kontinuitätsplanungen, um politische Störungen und andere Arten von Unterbrechungen wie Cybervorfälle zu berücksichtigen. Es ist wichtig, definierte und getestete Verfahren zu haben – diese sollten sich auf Mitarbeiter und Kunden konzentrieren und allgemeine Kommunikations- und Social-Media-Pläne beinhalten. 

Unternehmen sollten auch ihre Versicherungspolicen überprüfen. Sachversicherungen können in einigen Fällen Ansprüche wegen politischer Gewalt abdecken, aber die Versicherer bieten über den Spezialmarkt für politische Gewalt auch spezielle Lösungen an, um die Auswirkungen von Streiks, Unruhen und zivilem Aufruhr zu mildern. „Früher wurde diese Deckung von Kunden als „nice to have“ und von Versicherern als „nichts, worüber man sich übermäßig Sorgen machen müsste“ betrachtet. Dies hat sich jedoch seit 2018 geändert, da sowohl die Häufigkeit als auch die Schwere dieser Ereignisse deutlich zugenommen haben. Wir sehen ein wachsendes Interesse und eine steigende Nachfrage nach Deckungen für politische Gewalt seitens der Unternehmen“, sagt Reusswig.

Quelle:

Allianz Abteilung Global Political Violence and Hostile Environment Solutions

AGCS ALLIANZ

Ein Jahr seit Beginn der Pandemie: 400.000 Arbeitsplätze zerstört und 900.000 Arbeitnehmer in Situation von ERTE*.

EL BOLETIN

Laut Asempleo erfolgte die Hauptanpassung der Beschäftigung im ersten Jahr der Pandemie im zweiten Quartal 2020: Zwischen März und Mai hörten mehr Menschen auf zu arbeiten als während der gesamten Krise von 2008-2013.

„Zwischen dem 11. März und dem 30. April haben 950.000 Menschen ihren Arbeitsplatz verloren, und weitere 3,4 Millionen Arbeitnehmer sind in eine ERTE-Situation geraten. In der letzten Wirtschaftskrise hat der spanische Arbeitsmarkt fünf Jahre gebraucht, um rund 3,1 Millionen Arbeitsplätze zu zerstören, und weitere sieben Jahre, um sie wiederherzustellen “, unterstreicht der Arbeitgeber privater Arbeitsagenturen.

Paradoxerweise weist der Bericht darauf hin, dass die Provinzen, die die meisten Arbeitsplätze zerstört haben, insbesondere im Zusammenhang mit dem Tourismus, die mit der niedrigsten Übersterblichkeit in den letzten zwölf Monaten sind.

In diesem Zusammenhang betont Asempleo, dass Maßnahmen zur Arbeitsflexibilität sowohl intern (Rückgriff auf ERTES, Telearbeit) als auch extern (Personalanpassungen durch Zeitarbeit) “grundlegend” waren.

So stieg die Telearbeitsmodalität in Spanien von 8,3% im Jahr 2019 auf 19,1% im zweiten Quartal 2020, während Ende April letzten Jahres mehr als 3,4 Millionen Arbeitnehmer in einem ERTE registriert waren. im Februar dieses Jahres bei rund 900.000 stehen.

“Das Eintreffen der Kälte und der zweiten und dritten Welle der Pandemie führte dazu, dass die von ERTE Betroffenen zwischen Oktober 2020 und Februar 2021 um rund 50% zunahmen und in einem Bereich zwischen 600.000 und 900.000 blieben”, erklärt Asempleo.

Die Erholung des BIP wird es nicht ermöglichen, die ERTE zu beenden

Der Präsident von Asempleo, Andreu Cruañas, hat betont, dass das Gleichgewicht dieser zwölfmonatigen Pandemie für den Arbeitsmarkt einen neuen Rückschlag bei der Überwindung der Probleme des spanischen Arbeitsmarktes darstellt.

“Obwohl die Aktivität von einem sehr schwachen Januar zu einem dynamischeren März von weniger auf mehr gestiegen ist, war das Quartal, das wir gerade beendet haben, für den Arbeitsmarkt negativ”, sagt Cruañas.

Seiner Meinung nach wird das zweite Quartal die Wiederaufnahme der Erholung der Wirtschaft dank der Beschleunigung der Impfrate markieren. Die Arbeitslosigkeit schätzt, dass bis Ende Juni 77% der spanischen Bevölkerung mindestens eine Dosis des Impfstoffs erhalten haben und 41% bereits den vollständigen Zeitplan haben werden.

“Mit diesen Zahlen kann der Beginn des Sommers mit einem Grad der Immunisierung zusammenfallen, der es ermöglicht, die Beschränkungen schrittweise zu lockern und näher an das Aktivitätsniveau vor der Pandemie heranzukommen”, sagt der Präsident von Asempleo.

Sie warnt jedoch davor, dass die Erholung des BIP die anstehenden Probleme auf dem Arbeitsmarkt “nicht plötzlich lösen” wird, beginnend mit der Rückresorption von Arbeitnehmern in ERTE, die sich auf die Sektoren konzentrieren, die am stärksten vom Tourismus abhängen.

Wenn die Nachfrage nach Arbeit reaktiviert wird, wird es seiner Meinung nach an der Zeit sein, Mechanismen zu fördern, die die sektorale und geografische Mobilität erleichtern, sowie die Requalifizierung von Arbeitnehmern, die ihre früheren Berufe nicht aufrechterhalten können.

Quelle:

EL BOLETIN

Originaltext

ERTE * (= Espediente Temporal de Regulación de Empleo) gehört zum Arbeitsrecht in Spanien, mit dem Unternehmen bzw. Arbeitgeber einen oder mehrere Arbeitsverträge für eine “bestimmte Zeitspanne“ aussetzen können. Angestellte, Arbeitnehmer sind zwar weiterhin mit dem Unternehmen verbunden, aber im Allgemeinen werden sie nicht bezahlt,  haben keinen Anspruch auf Lohnzuschlag oder Urlaub während der Zeit. Das Personal erhält in der Zeit Arbeitslosengeld, in der sie ihren Arbeitsplatz nicht haben.

D.h. das Arbeitsverhältnis der Mitarbeiter wird von  dem Arbeitgeber für einen Zeitraum beendet, somit kann sich der Arbeitgeber von der Zahlung der Beiträge befreien. Eine weitere Möglichkeit für Unternehmen war und ist, die ERTE wird als Kurzarbeit umgesetzt oder gegebenenfalls endet es in einem Personalabbauverfahren.

Spaniens Wirtschaft legt überraschend weiter zu

MADRID (dpa-AFX) – Spaniens Wirtschaft ist trotz hoher Neuinfektionen in der Corona-Krise weiter gewachsen. Nach einer starken Erholung in den Sommermonaten konnte die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone Ende 2020 aber nur noch leicht zulegen. Im vierten Quartal sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Quartalsvergleich um 0,4 Prozent gestiegen, teilte das nationale Statistikamt INE am Freitag in Madrid nach einer ersten Schätzung mit. Im dritten Quartal konnte sich die spanische Wirtschaftsleistung noch stark vom Corona-Einbruch im Frühjahr erholen und war um 16,4 Prozent gewachsen.

Analysten wurden von der Entwicklung überrascht. Sie hatten für das Jahresende 2020 mit einem konjunkturellen Rückschlag gerechnet. Im Schnitt waren sie für die Monate Oktober bis Dezember von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1,4 Prozent im Quartalsvergleich ausgegangen.

Wie stark die spanische Wirtschaft vom Corona-Einbruch im Frühjahr getroffen wurde, zeigt der Jahresvergleich. In den drei Monaten bis Dezember sank die Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9,1 Prozent. In dieser Betrachtung war der Rückgang in etwa gleich stark wie im dritten Quartal./jkr/bgf/stk

Onvista News – online 29.01.21, 09:28 dpa-AFX